Geschichtliches und Interessantes über die Langenrader Mühle:

Die Langenrader Mühle, die seit 1985 "Sventana" (der wendische Name für das nahe Flüsschen Schwentine) heißt, ist ein Gallerieholländer. Bei der Holländermühle dreht sich die Kappe mit den Mühlenflügeln durch die sogenannte Windrose ständing und automatisch in die jeweilige Windrichtung.

Mühlen sind Mobilien, d.h. sie können in Einzelteile zerlegt und an anderen Orten wieder aufgebaut werden. So wurde diese Mühle 1860 als Erdholländer mit Steert und Segelflügeln von Mühlenbauer Carl Friedrich Trahn (1806-1888) in Kleinmühlen bei Plön errrichtet. Hier in Ascheberg steht sie seit 1890 als Ersatz für eine abgebrannte Vorgängerin, nun um eine massive Etage erhöht und mit Klappenflügeln und Windrose automatisiert.

Nach mehrmaligem Besitzerwechsel erwarb 1901 der Müller Eckeberg die Mühle und für die folgenden 80 Jahre blieb sie im Besitz der Familie. Seit 1949 ihrer Flügel beraubt und mit einem Elektromotor ausgerüstet, wurde sie zum Schluss nur noch zum Schroten von Futtergetreide genutzt. 1967 riss eine ungewöhnlich starke Sturmböe das Kappendach der Mühle ab. Glücklicherweise blieb die Mühlenwelle erhalten, und eine provisorische Dachabdeckung konnte den Verfall zunächst aufhalten.

Kappe mit Windrose
Technische Skizze der Mühle Das zweite Leben der Langenrader Mühle begann 1982, als sich drei mühlenbegeisterte Paare entschlossen, aus der Ruine wieder eine funktionstüchtige Maschine zu machen - eine Arbeitsmühle eben und kein Museum oder Mühlencafé. Heute wird hier wieder gemahlen. Frisch "über den Stein gemahlenes" Roggen- Weizen- und Dinkelbackschrot ist daher fast immer vorrätig.

Um dies zu bewerkstelligen, war der Wiedereinbau der gesamten alten Mühlentechnik nötig - mit Kammrad, Bunkel, Königswelle, Stirnrad und Mahlgängen. Stück für Stück dieses Räderwerks wurde aus Mühlen in ganz Norddeutschland zusammengesucht oder nachgefertigt und wieder eingebaut. Es dauerte acht Jahre, bis man das erste Korn aufschütten und zu Backschrot vermahlen konnte.

Die 1986 montierten Segelflügel ersetzte man 1997 durch Klappenflügel, was die Wartung leichter macht. Diese bedienungsfreundliche Technik aus dem England des 18. Jahrhunderts besaß die Mühle bereits vor 1890 bis zur Demontage in 1945. Zusammen mit der für die Klappenvordrehung sorgenden Windrose war ein Höchstmaß an Arbeitserleichterung für den Müller erreicht.

Im Laufe der letzten Jahre erfuhr die Mühle eine weitere Komplettierung der Mühlentechnik: Graupengang, Elevator, Sichter und Walzstuhl kamen hinzu. Mit diesen Maßnahmen hat die Eigentümergemeinschaft den technischen Stand der Müle von 1900 wieder hergestellt.

1991 ist die Langenrader Mühle als technisches Kulturdenkmal in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen worden. 1993 erhielt die Eigentümerschaft in Anerkennung ihres Engagements in der Denkmalpflege den Kulturpreis des Kreises Plön und 1999 den Preis der deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung aus der Anneliese Schücking Stiftung.

Mühlen sind Maschinen. Stehen sie still, verfallen sie. Werden sie benutzt, bedürfen sie ständiger Wartung zum Erhalt ihrer Funktionstüchtigkeit. Um diese zu gewährleisten, wird die Mühle heute so oft in Gang gesetzt, wie Wind und Wetter es zulassen - aber auch zur Belebung der Landschaft, zum Vergnügen der Vorbeikommenden und nicht zuletzt zur eigenen Freude.

Mühlstein

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